Heilpflanzen von A-Z
Fenchel

Der Fenchel war schon im Altertum als Heil- und Gewürzpflanze bekannt. Bei Blasen- und Nierenleiden und gegen Schlangenbisse wurde er genauso eingesetzt wie bei Hautparasiten und Vergiftungen. Fenchel soll auch bei Bauchschmerzen, Koliken, Husten und anderen Brust- und Lungenbeschwerden geholfen haben.
Wissenschaftlicher Name: Foeniculum vulgare.
Charakteristik
Fenchel wächst in Osteuropa, Frankreich, China, Ägypten, Indien und der Türkei. Die Droge wird aus zweijährigen Kulturen geerntet, unter dem Dach getrocknet und gedroschen und nach einer abermaligen Nachtrocknung im Schatten verarbeitet. Medizinisch verwendet werden die getrockneten reifen Früchte sowie das daraus gewonnene Fenchelöl.
Anwendungsbereiche
Frucht:
Öl:
Sonstige Verwendung
Pharmazie/Medizin: Bestandteil von Zahncremes, Mundwässern und Hustenbonbons
Haushalt: als Lebensmittelaromatikum und Gewürz
Kosmetik: Bestandteil von Seifen, Cremes, Lotionen und Parfüms
Dosierung
Frucht: Tee: 2,5 g (1 TL) frisch zerkleinert, auf 150 ml, 10-15 min. ziehen lassen. 2- bis 4-mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.
Sirup: Tagesdosis: 10-20 g.
Wirkung und Nebenwirkungen
Frucht: Fenchel wirkt an der glatten Muskulatur krampflösend und an der Bronchialschleimhaut als Schleimlöser. In Laborversuchen wirkt die Droge östrogenartig und ist antimikrobiell aktiv. Darüber hinaus steigert sie die Magenbewegung und hemmt den entzündungsbedingten Austritt von Flüssigkeit aus Gefäßen (antiexsudativ) sowie das Gewebewachstum (antiproliferativ).
Öl: Das Anethol im ätherischen Öl steigert in niedriger Dosierung die Muskulaturspannung und wirkt sich in höherer Dosierung entspannend und bewegungsmindernd auf die glatte Muskulatur aus. Die Dichte der Atemwegsflüssigkeit wird dosisabhängig vermindert.
Anwendung in Lebensmitteln
Frucht: Fenchel ist von Natur aus ein typisches "Functional Food" und seit der Antike sowohl als wohlschmeckendes Gemüse wie als Gewürz- und Arzneipflanze bekannt und geschätzt. Heutzutage wird die Pflanze auf breiter Basis als Aroma z.B. bei der Herstellung von Alkoholika verwendet.
Fichte

Das aus den Stämmen gewonnene Terpentinöl und das Fichtenpech haben eine lange Tradition in der Humanmedizin. Terpentin wurde unter anderem als Mittel gegen Schwindsucht, Husten und Blutspeien empfohlen. Der italienische Arzt und Botaniker Matthiolus (16. Jh.) behandelte Unterschenkelgeschwüre mit einem Fichtenpech-Pflaster. Auch heute kommt vor allem das Fichtenöl zum Einsatz, zusätzlich sind Extrakte aus Fichtentrieben in Gebrauch. Beide sollen äußerlich bei leichten Muskelschmerzen helfen, innerlich Schleimhautentzündungen der Atemwege lindern. Ihnen wird eine schleimverflüssigende, schwach keimreduzierende und durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben.
Wissenschaftlicher Name: Picea.
Charakteristik
Die Fichte ist ein Nadelbaum mit einer Höhe bis zu 60 Meter und einem Umfang von etwa 2 Meter. Ihr Stamm weist eine braunrote Borke auf. Typischerweise ist der Stamm schon weit unter verästelt. Fichtennadeln erreichen eine Länge bis zu 2,5 cm, sind gerade oder gebogen und mit einer stumpfen Spitze versehen. Auf der Oberseite der Triebe sind sie nach vorn, auf der Unterseite zur Seite gerichtet. Bei einer gesunden Fichte bleiben die Nadeln mehrere Jahre am Baum. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni. Männliche Fichtenblüten sind anfangs erdbeerfarben, später zur Reife gelb, und über die ganze Krone verteilt. Die weiblichen Blüten sind purpurrot oder grün und befinden sich ausschließlich im oberen Teil der Krone. Zwischen August und Dezember reifen eiförmige bis zylindrische Zapfen mit einer rautenförmigen Schuppung heran. Mit dem Wind werden die Samen aus den Zapfen fortgetragen und verbreitet. Anschließend fallen die Zapfen ab.
Medizinisch verwendet werden die frischen Fichtentriebe (Piceae turiones recentes) und das aus Nadeln, Zweigspitzen oder Ästen gewonnene Öl (Piceae aetheroleum).
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Schleimhautentzündungen der Atemwege
Dosierung
Innere Anwendung
Risiken und Nebenwirkungen:
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Fichte sollte nicht bei bestehendem Asthma oder Keuchhusten angewendet werden. Von Bändern mit Fichtenzusätzen wird abgeraten, wenn größere Hautverletzungen oder akute Hauterkrankungen bestehen, bei fieberhaften oder infektiösen Erkrankungen sowie bei Herzschwäche und Bluthochdruck.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelFieberklee

Erste Erwähnungen findet der Fieberklee in den Kräuterbüchern des Mittelalters. Er wird als Mittel gegen hitzige Geschwüre und Schmerzen beschrieben. Kneipp verwendete das Fieberkleekraut gegen Leberleiden, Blähungen und Magenschwäche. Die im Fieberklee reichlich enthaltenen Bitterstoffe sollen die Freisetzung von Speichel, Galle und Magensaft fördern und dadurch die Verdauung unterstützen. Eine leichte keimreduzierende Wirkung scheint wahrscheinlich.
Wissenschaftlicher Name: Menyanthes trifoliata.
Charakteristik
Der Fieberklee ist in Europa, Amerika und Asien heimisch. Er erreicht eine Größe von 15 bis 30 cm. Es handelt sich um eine mehrjährige Wasserpflanze, deren Blätter auf langen fleischigen Stielen sitzen. Die Blätter sind 3-zählig und etwa 5 cm lang. Von Mai bis Juni ist die Blütezeit des Fieberklees. Dann zeigen sich weiße bis rotweiße Blüten an einem blattlosen Blütenschaft. Die Frucht ist eine eiförmige Kapsel.
Medizinisch verwendet wird das getrocknete Kraut der Pflanze (Menyanthidis folium). Charakteristisch ist der bittere Geschmack des Krauts, welcher der Pflanze ihren Namen gab.
Fieberklee ist in Fertigarzneimitteln aus der Gruppe der Cholagoga (gallentreibende Arzneimittel) und Geriatrika (den Körper und Geist stimulierende Arzneimittel für ältere Menschen) enthalten.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: als Bittermittel zur Förderung der Magensaftsekretion, als Tee bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl
Dosierung
Tagesdosis: 1,5–3 g Droge
1 Teelöffel entspricht etwa 0,9 g Droge
Risiken und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Bei Überdosierung kann die Droge magenreizend wirken. Erbrechen und Durchfälle sind möglich.
Bei bereits bestehendem Durchfall oder Darmentzündungen sollte von der Anwendung abgesehen werden.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelFingerhut

Die Pflanze war den alten Griechen und Römern nicht bekannt. Dagegen war sie im 5 Jahrhundert in Irland gegen den bösen Blick im Gebrauch. Im 13. Jahrhundert wird der Fingerhut zur Behandlung von Geschwülsten, Abszessen und Kopfschmerzen eingesetzt. Im England des 16. Jahrhunderts wird sie als er als Mittel gegen Schwindsucht empfohlen. Als ihre Giftigkeit bekannt wurde, ging man vorsichtiger mit der Pflanze um. Darwin beschrieb sie 1780 als Heilmittel, doch erst in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts setzte sie sich die Digitalistherapie allgemein durch.
Wissenschaftlicher Name: Digitalis purpurea L.
Charakteristik
Die Pflanze ist in Europa heimisch. Durch Verschleppung ist sie auch nach Osten und auf den amerikanischen Kontinent gelangt. Medizinisch verwendet werden die getrockneten Blätter, ein Pulver aus diesen, die reifen, getrockneten Samen, die frischen Blätter einjähriger Pflanzen oder die zu Beginn der Blüte von Juni bis August gesammelten Blätter zweijähriger Pflanzen. Erntezeit sind Juli und August.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Herzschwäche, insbesondere Bluthochdruck
Dosierung
Wegen der schweren Standardisierbarkeit ist nur noch die Anwendung von isolierten Herzglykosiden zu empfehlen.
Wirkung und Nebenwirkungen
Die in der Droge enthaltenen Glycoside fördern die Kontraktionskraft des Herzmuskels, führen zu einer Abnahme der Herzfrequenz und vermindern den Sauerstoffverbrauch des Herzens. Bei manchen Patienten können bereits bei der Gabe therapeutischer Dosen Nebenwirkungen auftreten: Tonussteigerung im Magen-Darm-Bereich, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfälle und Kopfschmerzen. Bei Überdosierung können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, Benommenheit, Sehstörungen, Depressionen, Verwirrtheit, Halluzinationen und Psychosen einsetzen. Eine Anwendung der Droge darf nur unter ärztlicher Aufsicht und gemäß den Vorgaben erfolgen.
Anwendung in Lebensmitteln
Keine Angaben
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeFlohsamen

Bei Dioskurides werden die Samen als warme Umschläge bei Gicht, Geschwüren, Ödemen, Verrenkungen, Kopfleiden, bei Darm- und Nabelbrüchen und als kühlendes Mittel empfohlen. Im 18. Jahrhundert werden Gallenleiden, trockene Kehlen und Zungen und Angina mit Flohsamen behandelt. In der Industrie wird der Samen heute zur Gewebeversteifung als Verdickungsmittel eingesetzt.
Wissenschaftlicher Name: Plantago afra L.
Charakteristik
Die Pflanze wird im Mittelmeerraum und im westlichen Asien, Japan, Kuba und Südbrasilien angebaut. Sie blüht von Juni bis August und wird ab Juli bis September geerntet. Medizinisch verwendet werden die reifen und getrockneten Samen.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Verstopfung, Durchfall, Reizdarm und allen Erkrankungen, bei denen ein weicher Stuhl erforderlich ist, wie Analfissuren, Hämorrhoiden und in der Schwangerschaft
Dosierung
Tagesdosis: 12-40 g Droge
Fluidextrakt: 2-5 ml
Äußerlich als Breiumschlag
Wirkung und Nebenwirkungen
Die enthaltenen Schleimstoffe wirken abführend und die quellenden Samen regulieren die Darmaktivität. Bei Durchfällen wird die Flüssigkeitsbindung normalisiert. Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. In einzelnen Fällen können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist nach der Einnahme zu achten. Bei Verengung und entzündlichen Darmerkrankungen oder schwer einstellbarer Diabetes mellitus wird abgeraten. Klinische Studien zur Wirksamkeit bei Durchfall und Verstopfung liegen nicht vor. Der Cholesterin-senkende Effekt ist jedoch vielfach belegt.
Anwendung in Lebensmitteln
Die Samen regulieren die Darmfunktion in zweierlei Hinsicht, indem sie entweder abführend oder gegen Durchfall wirken. Sie senken vermutlich den Fettspiegel und können somit als wertvoller Nahrungsbestandteil angesehen werden.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeFrauenmantel

Schon die Germanen schätzten die Pflanze und benutzten sie zu Heilzwecken. Vielfach gelobt wurde sie auch im Mittelalter als Wunderkraut bei entzündeten Wunden, zur Stillung von Blutungen, bei Erbrechen, Quetschungen und Stauchungen.
Wissenschaftlicher Name: Alchemilla xanthochlora Rothm.
Charakteristik
Die Pflanze ist über die gesamte nördliche Hemisphäre von Nordamerika, Grönland, Europa vom Mittelmeer bis Island, in Asien vom Kaukasus und Himalaya bis Sibirien verbreitet. Blüte- und Erntezeit sind Mai bis August. Medizinisch verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen und Magen-Darm-Störungen
Dosierung
Infus: 2-4 g Droge Einzeldosis, 5-10 g Droge Tagesdosis
Wirkung und Nebenwirkungen
Die zusammenziehende Wirkung ist durch die enthaltenen Gerbstoffe bedingt. Deswegen ist die Pflanze bei Magen-Darmstörungen, Zahnfleisch-, Rachen- und Mundschleimhautentzündung, Hauterkrankungen und Geschwüren therapeutisch wirksam. Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Anwendung in Lebensmitteln
keine Angaben
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke