Heilpflanzen von A-Z
Raps

Die Steckrübe war vor allem in Norditalien eine einfache Nahrung. Sie wurde auch als Viehfutter angebaut. Die Wurzel hat eine schwach reizende Wirkung und wird als Brustmittel verwendet. Der Samen liefert außerdem ein gutes Öl, das als harntreibend gilt. Weitere Verwendung findet Raps als Margarine und Fett, als Brennmittel und als Ersatz für Olivenöl in pharmazeutischen Salben und Ölen.
Wissenschaftlicher Name: Brassica napus L.
Charakteristik
Die Pflanze kommt in Europa, Nordafrika und Amerika vor. Sie blüht von April bis September und wird danach bis November geerntet. Medizinisch als Heilpflanze verwendet wird Raps heute nicht mehr.
Anwendungsbereiche
keine Indikationen
Dosierung
keine Angaben
Wirkung und Nebenwirkungen
Rapsöl kann bei langer Einnahme höherer Dosen den Herzmuskel angreifen. Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind nicht bekannt. Die Droge wird als Grundlage für Salben und Seifen verwendet.
Anwendung in Lebensmitteln
Rapsöl kommt in der Küche als Speiseöl zum Einsatz.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeRettich

Der Rettich wurde schon zur Zeit der ägyptischen Pharaonen kultiviert, kam jedoch erst spät nach Europa. Gerard erwähnt 1597 vier Arten der Pflanze, die gegen Stein- und Grießleiden sowie Skorbut zum Einsatz kamen. Der ausgepresste Saft diente zur Behandlung von Gallensteinen. In der Homöopathie ist die Pflanze ein wichtiges Mittel.
Wissenschaftlicher Name: Raphanus sativus L.
Charakteristik
Rettich stammt wahrscheinlich aus China und Japan. Er wird heute in den meisten gemäßigten Regionen der Welt angebaut. Nach der Blüte in Mai und Juni, wird die Pflanze von August bis Oktober geerntet. Die frische Wurzel wird als Gemüse und medizinisch verwendet.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Entzündungen der Atemwege und Verdauungsbeschwerden
Dosierung
Presssaft: Tagesdosis: 50-100 ml mehrmals täglich ½ Esslöffel einnehmen. Zwischen den ?Drei-Tages-Kuren" einige Tage pausieren.
Wirkung und Nebenwirkungen
Der Droge wird eine antimikrobielle und verdauungsfördernde Wirkung zugeschrieben, die durch die enthaltenen Senföle bedingt ist. Im Tierversuch konnte auch eine antivirale Wirkung nachgewiesen werden. Gegen Verdauungsbeschwerden, Atemwegsentzündungen und Gallenwegsbeschwerden kann die Droge daher empfohlen werden.
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Bei Anwendung hoher Dosen der frischen Wurzel kann es zu Schleimhautreizungen des Magen-Darm-Traktes kommen. Bei Gallensteinträgern können Koliken ausgelöst werden.
Anwendung in Lebensmitteln
Der Rettich, ein Gemüse mich charakteristisch scharfem und beißenden Geschmack wird in der Volksmedizin gegen Gallensteine und bei starkem Husten hochgeschätzt. Die enthaltenen Senföle wirken antimikrobiell und antiviral, deswegen könnte Rettich als Zusatz zu speziellen Diätprodukten einen wertvollen Beitrag leisten.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeRhabarber, palmblättriger

Der Palmblättrige Rhabarber oder Zier-Rhabarber war den Chinesen schon vor der christlichen Zeitrechnung bekannt. Durch die Araber kam er im 12. Jahrhundert über Indien nach Europa. Noch heute ist China neben Russland das Hauptanbaugebiet der Rhabarber-Art. Anders als bei der verwandten Art des Gemeinen Rhabarbers sind die Stiele des Palmblättrigen Rhabarbers nicht zum Verzehr geeignet. Seit der Frühen Neuzeit findet die Pflanze in der europäischen Heilkunde Anwendung. Besonders schätzte man die abführende Wirkung. Auch heute werden die getrockneten Wurzeln in der Medizin als Abführmittel genutzt.
Wissenschaftlicher Name: Rheum palmatum.
Charakteristik
Rhabarber ist eine ausdauernde, kräftige Staude. Der Stängel kann bis zu 1,5 Meter hoch wachsen. Die Blätter haben eine Herzform und sind handförmig gelappt. Die Wurzel besteht aus einer Rübe, die nach einigen Jahren armdicke Seitenarme besitzt. Der Rhabarber blüht im Juni und bildet dann eine hohe, rote, rosafarbene oder weißlich-gelb Rispe. Daraus entwickeln sich im August die braunen Früchte.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Obstipation
Homöopathie: bei Durchfallerkrankungen und Zahnungsbeschwerden
Dosierung
Tagesdosis: 15-50 mg Droge
Wirkung und Nebenwirkungen
Die abführende Wirkung der Pflanze beruht auf den enthaltenen Anthrachinonen. Diese erweichen den Stuhl und beschleunigen die Darmpassage. Weitere Inhaltsstoffe wie Gerbstoffe und Flavanoide wirken entzündungshemmend und krampflösend.
Hinweis
Nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden.
Ringelblume

Um die Ringelblume rankt sich mancher Aberglaube. So müssen ihre hellgelben bis knallorangenen Blütenblätter klassischerweise für das Spiel „Er liebt mich – er liebt mich nicht“ herhalten. Und früher rieben sich junge Mädchen vor dem Schlafengehen mit einer Ringelblütensalbe ein, um von ihrem Zukünftigen zu träumen.
In der Volksmedizin ist die Pflanze seit dem Mittelalter bekannt. Der Regensburger Bischof Albertus Magnus empfahl sie im 13. Jahrhundert bei Leiden an Leber und Milz und gegen den Biss wilder Tiere. Nicholas Culpeter nannte sie das „Kraut der Sonne und des Löwen, welches Herz und Geist stärkt“. Und in seinen berühmten „Old English Herbals“ von 1922 wies Eleanour Sinclar Rohde noch auf eine weitere Anwendungsmöglichkeit hin: „Solche, die nicht zufrieden sind mit der natürlichen Farbe, die ihnen Gott gegeben hat, färben sich das Haar gelb mit den Blüten dieses Krautes.“
Wissenschaftlicher Name: Calendula officinalis.
Charakteristik
Die Ringelblume stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum. Heute ist sie in ganz Mittel- und Südeuropa, in Westasien, auf den Britischen Inseln und in den USA verbreitet. Als Droge sind vor allem die getrockneten Zungenblüten gebräuchlich, seltener und ausschließlich in der Volksmedizin auch das Ringelblumenkraut.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum
Dosierung
Innere Anwendung
Äußere Anwendung
Wirkung und Nebenwirkungen
Die in den Blüten der Ringelblume enthaltenen Substanzen hemmen Entzündungen und fördern die Wundheilung. Das ätherische Öl wirkt gegen Mikroben, Pilze und bestimmte Viren. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass die Blüten das Immunsystem anregen, Tumoren entgegenwirken und die Menge an roten Blutkörperchen verringern. Für die medizinische Wirksamkeit des Ringelblumenkrauts gibt es hingegen noch keinen Nachweis.
Anwendung in Lebensmitteln
Calendulablüten werden in der Lebensmittelindustrie als leicht salziger Geschmacksstoff sowie als natürlicher, im Vergleich zum Safran erheblich kostengünstigerer Farbstoff verwendet.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeRosmarin

Im ersten Jahrhundert nach Christus brachten die Benediktiner den Rosmarin aus dem Mittelmeergebiet über die Alpen nach Deutschland. Schnell etablierte er sich als Gewürz und Allheilmittel. In den Kräuterbüchern des Mittelalters wird der Pflanze eine Palette an Wirkungen zugeschrieben: leberreinigend, entwässernd, schweißtreibend, aufweichend, verdauungsfördernd und blutreinigend soll der Rosmarin sein. Viele Heilkundige empfahlen ihn darüber hinaus gegen Krebs, Lähmungen und Epilepsie. Im 19. Jahrhundert machte Sebastian Kneipp den Rosmarin in der Volksmedizin populär. Die Heilpflanze machte sich unter anderem als Mittel gegen Verdauungs- und Nierenleiden einen Namen. Ein Rosmarin-Bad und eine Einreibung mit Spiritus soll die Durchblutung fördern. Den ätherischen Ölen der Rosmarinblätter wird eine Wirkung gegen chronische Schwächezustände nachgesagt. Hochdosiert wurde er auch als Abtreibungsmittel eingesetzt.
Wissenschaftlicher Name: Rosmarinus officinalis.
Charakteristik
Der immergrüne Rosmarin wächst bevorzugt an trockenen Hängen des Mittelmeerraums. In Deutschland lässt er sich lediglich in Blumentöpfen halten, da er nicht winterhart ist. Im Winter holt man die Pflanze ins Haus. Der aromatisch riechende Strauch erreicht eine Höhe von bis zu 1,5 Metern. Seine Zweige sind stark verzweigt und dicht mit schmalen, länglichen Blättern besetzt. Ihre Oberseite glänzt, während die Unterseite filzig behaart ist. Von März bis Mai bildet der Rosmarin kleine, blassblaue Blüten. Selten blüht der Rosmarin rosa oder weiß. Medizinisch verwendet werden die frischen oder getrockneten Blätter, das aus den Blättern und Stengeln gewonnene Öl, blühende Zweige sowie blühende, getrocknete Zweigspitzen. Kombinationspräparate und Fertigzubereitungen wie Badzusätze, Spiritus oder Tee sind in der Apotheke erhältlich.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Völlegefühl, Blähungen und leichten Magen-Darm-Beschwerden mit Krämpfen
Dosierung
Tagesdosis: 4-6 g Droge
Risiken und Nebenwirkungen:
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind nicht bekannt. Kontaktallergien sind möglich. Rosmarin stimuliert die Gebärmutter und kann in hoher Dosierung abtreibend wirken. Schwangere sollten deshalb keinen Rosmarin anwenden.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelRosskastanie

Die Rosskastanie ist ursprünglich auf dem Balkan beheimatet und seit dem 15. Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet. Nach Europa gelangte die Pflanze durch die Türken, die die Samen als Futter und Heilmittel für ihre Pferde verwendeten. Daher stammt auch der Namen Rosskastanie, mit dem man die Pflanze von der essbaren Edelkastanie abgrenzte. In Deutschland ist der Baum heute aus Gärten, Parks und Innenstädten nicht mehr wegzudenken. Im Jahr 2005 wurde die Rosskastanie zum Baum des Jahres gewählt.
Wissenschaftlicher Name: Aesculus hippocastanum.
Charakteristik
Die Rosskastanie ist ein bis zu 35 Meter hoher sommergrüner Baum mit Blüten in Form von aufrechten, kegelförmigen Rispen, die weiß, rot und gelb gefleckt sind. Die Blütezeit dauert von April bis Juni. Im September reifen die Früchte, die bis zu drei Samen, Kastanien genannt, hervorbringen. Medizinisch verwendet man das aus diesen Samen gewonnene Rosskastanienöl und die getrockneten Samen und Blätter.
Anwendungsbereiche der Samen
Äußere Anwendung: bei Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz, nächtlichen Wadenkrämpfen, Juckreiz und Beinschwellungen
Anwendungsbereiche der Blätter
Äußere Anwendung: bei Hautflechten, oberflächlichen und tiefliegenden Krampfadern, Schmerzen in den Beinen, Venenentzündungen, Hämorriden, Beschwerden bei Regelblutung
Sonstige Verwendung
Lebensmittel: Herstellung von Speiseöl
Dosierung
Innere Anwendung (Samen):Tagesdosis 1 mg Aescin/kg Körpergewicht
Rotalgen (Agar-Agar)

Agar-Agar – oder nur Agar – ist ein geleeartiger, geschmacksneutraler Extrakt aus roten Meeresalgen, welche an den Küsten Südostasiens und Südafrikas wachsen.
In Japan und China ist Agar seit dem 17. Jahrhundert Zutat vieler Speisen. Wegen seiner gallertartigen Konsistenz eignet es sich auch als Geliermittel für Marmeladen, Konfitüren und Gelees. In der veganen Küche wird Agar ein Ersatz für Gelatine verwendet.
Wissenschaftlicher Name: Gelidium amansii Lamour.
Charakteristik
Der mehrjährige Seetang wird bis zu einem Meter lang. Der Algenkörper – in der Botanik Thallus – sprießt jedes Jahr und verzweigt sich stark. Er ist durchscheinend und von bräunlich-weißer Farbe. Die Verzweigungen enden in stacheligen Fortsätzen. Die Frucht ist kugelförmig.
Die Hauptbestandteile des Agar sind Agarose und Agaropektin – ein Gemisch aus Polyscchariden (Mehrfachzucker). Der menschliche Verdauungstrakt kann diese nicht abbauen. Als Quellstoff bindet Agar Flüssigkeit und regt so die Darmtätigkeit an.
Anwendung und Wirkung
Der aus den Algen gewonnene Schleimextrakt wird gereinigt, getrocknet und anschließend in Fäden geschnitten. Im Handel erhält man Agar auch als weißgelbes oder bräunliches Pulver.
In der Heilkunde kommt Agar nur als Fertigarzneimittel zum Einsatz, häufig in Kombination mit anderen Mitteln. Meist dient es als mildes Abführmittel: Zusammen mit dickflüssigem Paraffin kann es den Darminhalt durchdringen und erweichen. Nebenwirkungen sind keine bekannt.