Heilpflanzen von A-Z
Wacholder

Wacholderbeeren galten schon im Altertum als antibakteriell wirkendes und harntreibendes Mittel. Hippokrates von Kos – der berühmte Arzt der Antike – wandte sie äußerlich bei Wunden und innerlich zur Beschleunigung der Geburt an. Viele Heilkundige späterer Zeiten lobten die Wacholder-Pflanze wegen ihres vielfältigen Talents. Sie soll gegen Husten, Leibschmerzen und Tierbisse geholfen haben.
Der deutsche Name „Wacholder“ besteht aus dem althochdeutschen wehdal, wachal (lebensfrisch, munter) und aus der (Baum, Strauch). Der lateinische Name iuni perus (früh gebärend) nimmt möglicherweise darauf Bezug, dass die jüngeren grünen Früchte schon erscheinen, während die alten schwarzen noch an den Zweigen hängen. Communis heißt gemein oder gewöhnlich.
Wissenschaftlicher Name: Juniperus communis L.
Charakteristik
Der Gemeine Wacholder – auch Heide-Wacholder genannt – gehört zur Familie der Zypressengewächse und ist in Mitteleuropa in freier Natur weit verbreitet. Er wird bis zu 600 Jahre alt und wächst vor allem in Heidelandschaften und an Berghängen.
Blüte und Frucht: Die gelblichen Blüten hängen dreigliedrig in den Blattwinkeln der jüngsten Triebe. Die grünlichen Blüten sind eiförmig und bestehen aus drei Fruchtblättern. Wenn die Fruchtblätter reifen, bilden sie erbensgroße, kugelige, dunkelbraun-violette Scheinfrüchte – die Wacholderzapfen. Die Zapfen reifen zwei oder drei Jahre bis blaue (reife) und grüne (unreife) Beeren an derselben Pflanze erscheinen. Die Samen sind hellbraun, länglich-dreikantig und haben eine harte Schale.
Wirkung und Anwendung
In der Volksmedizin vieler europäischer Länder spielt Wacholder eine große Rolle. Medizinisch verwendet werden das ätherische Wacholderöl, die reifen Beerenzapfen und die Beeren – frisch oder getrocknet. Wacholderbeeren kommen in der Medizin traditionell als harntreibendes Mittel bei Harnwegsinfektionen zum Einsatz, denn die Beeren wirken diuretisch. Im Handel findet man sie als Bestandteil vieler Teemischungen. Das ätherische Öl steckt wegen seiner durchblutungsfördernden Eigenschaft auch in Salben und Badezusätzen, die bei rheumatischen Erkrankungen und Muskelverspannungen helfen sollen.
Das Wacholderbeeröl wird auch als Hauptbestandteil von vielen Spirituosen benötigt, zum Beispiel Gin. In der Küche dienen Wacholderbeeren als Gewürz für traditionelle Gerichte wie Sauerkraut und Wildfleisch.
Dosierung
Die Tagesdosis beträgt zwei bis maximal 10 Gramm getrocknete Wacholderbeeren, entsprechend 20 bis 100 Milligramm ätherischen Öls.
Wacholdertee: Ein Esslöffel zerdrückte Beeren pro Tasse mit kochenden Wasser aufgießen, zehn Minuten ziehen lassen und absieben.
Nebenwirkungen
Nierenschädigende Eigenschaften von verarbeiteten Wacholderbeeren konnten widerlegt werden. Das reine ätherische Öl aus den vollreifen Beeren ist frei von nierenreizenden Stoffen. Daher treten bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Nebenwirkungen auf.
Waldmeister

Als natürlicher Aromastoff verfeinert Waldmeister Kräuterteemischungen und Erfrischungsgetränke, und im Frühling verleiht er der Maibowle ihren besonderen Geschmack.
Wissenschaftlicher Name: Galium odoratum.
Charakteristik
Die Pflanze wächst vor allem in den gemäßigten bis kühlen Gebieten Nord- und Mitteleuropas und Sibiriens. Zur heilenden Anwendung eignen sich die oberirdischen Teile, das sogenannte Waldmeisterkraut. Es wird während oder kurz vor der Blüte aus Wäldern oder Gärten geerntet.
Anwendungsbereiche
Volksmedizin: zur Behandlung von Durchblutungsstörungen und Venenerkrankungen, als Beruhigungsmittel bei nervösen Unruhezuständen und Schlaflosigkeit sowie gegen nervös bedingte Menstruationsbeschwerden, gegen Migräne und Leibschmerzen, Leberstauung, Gelbsucht und Hämorrhoiden.
Dosierung
Äußere Anwendung: Stirnumschläge mit zerquetschtem Kraut (bei Kopfschmerzen)
Wirkung und Nebenwirkungen
Weil die Waldmeisterpflanze schwach giftig ist, kann ein übermäßiger Genuss zu Kopfschmerzen führen.
Anwendung in Lebensmitteln
Mit seinem charakteristischen aromatischen Geruch ist Waldmeister ein sehr beliebter Geschmacksstoff, der beispielsweise Getränken, Süßwaren und Eiscreme zugesetzt wird.
Wasserlinse

Die Wasserlinse wird schon von Dioskurides als Mittel gegen Entzündungen beschrieben. Hildegard von Bingen erwähnt sie im 12 Jahrhundert unter dem Namen "Merlinsen". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird noch immer ihre entzündungshemmende Wirkung erwähnt, ihr Einsatz als harntreibendes Mittel bleibt fraglich. Die Essenzen der Pflanze werden heute vor allem in der Homöopathie angewendet.
Wissenschaftlicher Name: Lemna minor L.
Charakteristik
Die Pflanze kommt in kühleren, ozeanischen Klimaten vor, ausgenommen Ostasien und Südafrika. Im Mai und Juni blüht die Pflanze und wird bis Ende August geerntet. Medizinisch verwendet wird die frische ganze Pflanze.
Anwendungsbereiche
Volksmedizin: - innerlich bei Entzündungen der oberen Atemwege, äußerlich bei Gicht und Rheuma
Dosierung
Homöopathie: 5 Tropfen oder 1 Tablette oder 10 Globuli oder 1 Messerspitze Verreibung alle 30 bis 60 Minuten (akut) und 1-3 mal täglich (chronisch) einnehmen
Wirkung und Nebenwirkungen
Über Wirkmechanismen liegen keine gesicherten Angaben vor. Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Anwendung in Lebensmitteln
keine Angaben
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeWegwarte

Um die Wegwarte ranken sich viele Mythen. Die Germanen glaubten, die Pflanze mache ihren Träger unverwundbar und unbesiegbar. Im Mittelalter legten sich junge Frauen eine Blüte unter das Kopfkissen, damit ihnen ihr zukünftiger Ehemann im Traum erscheint.
Die medizinische Verwendung der Wegwarte beginnt schon früh. Bereits die Ägypter setzten den Saft der Pflanze als Augenheilmittel und gegen Vergiftungen ein. In der mittelalterlichen Heilkunde findet Wegwarte Verwendung als Heilmittel gegen Beschwerden wie Halsschmerzen, Hämorrhoiden, Schwerhörigkeit oder Hautausschlag.
Zu den kultivierten Formen der Wegwarte gehören Chicorée, Radicchio und die Zichorienwurzel, die zur Herstellung von Kaffeeersatz dient.
Wissenschaftlicher Name: Cichorium.
Charakteristik
Die Wegwarte stammt ursprünglich aus Europa, Westasien und Nordwestafrika und ist heute weltweit verbreitet. Sie wächst bevorzugt an Wegrändern und erreicht eine Höhe von bis zu 2 Metern. Die Blüten sind meist hellblau, selten rosa oder weiß. Der Stängel steht steif aufrecht und ist häufig borstig behaart. Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober. Medizinisch verwendet man die im Herbst gesammelten und getrockneten Blätter und unterirdischen Pflanzenteile.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit
Sonstige Verwendung
Haushalt: als Nahrungsmittel und Kaffeeersatz (Wurzeln)
Dosierung
Einzeldosis: 2–4 g Droge als Tee
Autor: Th. Brendler, J. Gruenwald, Chr. Jaenicke, K. StegherrWeide

Schon in der Antike verwendeten Heiler und Gelehrte Teile des Baumes für medizinische Zwecke. Weidenextrakte kamen zum Einsatz, um Blutungen zu stoppen sowie Warzen, Geschwüre oder Hühneraugen zu behandeln. In der Volksmedizin setzten Heiler auf die Weide als Mittel gegen Fieber und Gelenkschmerzen. Die Weide ist die natürliche Quelle der Salicylsäure, dem Ausgangsstoff von Aspirin. Der Wirkstoff Salizin steckt in der Weidenrinde. Im Körper wandelt sich diese Substanz zu Salicylsäure um. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird Salicylsäure zwar synthetisch hergestellt, als „natürliches Aspirin“ ist die Weide aber noch immer beliebt.
Wissenschaftlicher Name: Salix.
Charakteristik
Die Weide ist ein bis zu 18 m hoher Baum oder Strauch mit rissiger, grauer Rinde. Die Zweige sind gelblich und biegsam. Sie lassen sich an der Basis nur schwer abbrechen. Weidenblätter laufen spitz zu und sind kurz gestielt. Die Unterseite der Blätter ist seidenhaarig-filzig und von bläulich-grüner Farbe. Von oben betrachtet, präsentieren sich die Blätter in einem matten Grün. Im Frühling trägt die Weide farbige Blüten. Die männlichen Blüten der Weide sind gelb, die weiblichen grün. Die Pflanze ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. Medizinisch verwendet wird heute ausschließlich die Rinde junger Zweige, die im Frühjahr geerntet werden.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, rheumatischen Erkrankungen, entzündungsbedingten Schmerzen und Infekten
Dosierung
Tagesdosis: 6-12 g Droge
Waschung: 50 g/Liter Wasser
Risiken und Nebenwirkungen:
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind nicht bekannt. Als Nebenwirkung können Magenbeschwerden auftreten. Diese sind auf den hohen Gerbstoffgehalt (8-20 Prozent) der Droge zurückzuführen. Nicht zum Einsatz kommen dürfen Weide-Präparate bei Kindern mit grippeähnlichen Symptomen, bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Arzneimitteln sowie bei einer Überempfindlichkeit gegenüber den Inhaltsstoffen. Auf mögliche Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln ist zu achten. Die Anwendung der Droge sollte bei Schwangeren und Müttern in der Stillzeit nicht erfolgen. Auch bei Menschen mit Magen- oder Darmgeschwüren, Blutgerinnungsstörungen, Asthma oder Diabetes ist von einer Anwendung abzusehen.
Weidenröschen, kleinblütiges

In früheren Jahrhunderten wurde das Weidenröschen unter anderem gegen Durchfall, Atemwegserkrankungen, Haut- oder Munderkrankungen eingesetzt – blieb jedoch wenig bekannt. Als anerkannte Heilpflanze machte sich das Gewächs spät einen Namen. Erst in den 70er-Jahren verhalf ihm die Heilkundige Maria Treben zu Popularität, indem sie in ihren Veröffentlichungen seine positive Wirkung auf die Prostata betonte. Die Wurzeln und Blätter des Weidenröschens beeinflussen die Muskelspannung und wirken zusammenziehend. Haupteinsatzgebiet des kleinblütigen Weidenröschen sind deshalb heute Miktionsbeschwerden (Entleerungsstörungen der Harnblase) aufgrund einer gutartigen Prostatavergrößerung. Verwendung findet es vor allem als Teedroge. Zu seinen Inhaltsstoffen zählen Flavonoide, Gerbstoffe und Phytosterole.
Wissenschaftlicher Name: Epilobium parviflorium.
Charakteristik
Das Weidenröschen zählt zur Familie der Nachtkerzengewächse. Sein Name beruht auf der Ähnlichkeit der Blätter mit den Blättern der Weide. Das kleinblütige Weidenröschen ist in Europa und den gemäßigten Zonen Nordamerikas heimisch, bevorzugt an feuchten Standorten wie Bachufern oder Auenwäldern. Die mehrjährige Pflanze erreicht eine Höhe bis zu 80 cm. An ihren verzweigten Stängeln finden sich 3–7 cm lange Blätter, meist fein beharrt. Von Juni bis September zeigen sich purpurn- bis rosafarbene Blüten in endständigen Trauben mit schmalen schotenartigen Kapseln als Frucht. Am Ende der Blütezeit springen die Kapseln auf und geben den seidenhaarigen Samen frei.
Medizinisch verwendet werden die vor oder während der Blütezeit gesammelten und getrockneten Pflanzenteile.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Miktionsbeschwerden aufgrund einer gutartigen Prostatavergrößerung
Dosierung
Tee: ca. 1,5 bis 2 g (1/2 Teelöffel) mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 10–15 Minuten ziehen lassen, abseihen, 2-mal täglich eine Tasse trinken
Risiken und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelWeißdorn

In vielen Ländern gab es volksmedizinische Anwendungen für Weißdorn, z.B. in Böhmen gegen Nierensand und Lungenerkrankungen, in China als Mittel gegen Durchfall. Mit dem harten Holz wurden Spielzeug, Werkzeugstiele und Spazierstöcke hergestellt. Die Früchte hat man auch zu alkoholischen Getränken verarbeitet.
Seit dem 19. Jahrhundert kristallisierte sich immer mehr der beruhigende Einfluss auf das Nerven- und Kreislaufsystem sowie das Herz als Hauptwirkung des Weißdorns heraus.
Wissenschaftlicher Name: Crataegus laevigata (Poiret) DC.
Charakteristik
Der Weißdorn stammt aus Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn und China. Die Ernte der Blüten und Blätter erfolgt aus Wildbeständen. Die besten Trocknungsergebnisse erzielt man bei Raumtemperatur.
Medizinisch verwendet werden Weißdornblüten, Weißdornblätter, Weißdornfrüchte und Mischungen aus den genannten Pflanzenteilen.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei leichter Herzinsuffizienz (NYHA II), „Altersherz“, chronischem Cor pulmonale und leichten Formen verlangsamten Herzschlags
Dosierung
Einzeldosis: 1 g Droge mehrmals täglich.
Wirkung und Nebenwirkungen
Die wirksamen Inhaltsstoffe sind Flavonoide. Sie erweitern die Gefäße und steigern so den Durchfluss der Herzkranzgefäße, wodurch der Herzmuskel besser durchblutet wird. Die Droge steigert die Kontraktionsfähigkeit des Herzmuskels, beeinflusst die Frequenz der Herztätigkeit und erhöht die Toleranz auf Sauerstoffmangel.
Die Wirksamkeit von Weißdornblättern mit Blüten wurde in mehreren Placebo-kontrollierten Studien an über 650 Patienten untersucht. Die Patienten litten an Herzinsuffizienz NYHA I-II, die Behandlungen erstreckten sich über Zeiträume von 8-12 Wochen. Der Weißdorn war dem Placebo statistisch signifikant überlegen in der Besserung der Beschwerden. Im Vergleich mit einem chemisch-synthetischen Medikament zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz zeigte sich, dass Weißdorn-Extrakte diesem therapeutisch gleichwertig sind.
In offenen Studien an insgesamt über 5000 Patienten, die unter Herzinsuffizienz nach NYHA-Klasse I-II litten, waren die untersuchten Weißdornextrakte ebenfalls sehr wirksam und reduzierten die Krankheitssymptome um durchschnittlich über 60 %.
Weißdorn soll ferner Knorpelschäden in Gelenken verhindern, antioxidativ und gegen Entzündungen wirken und möglicherweise den Blutcholesterolspiegel senken und die Kapillarwände stärken.
Anwendung in Lebensmitteln
Die Früchte werden auch heute noch zur Herstellung von alkoholischen Getränken, Konfitüren und Gelees verwendet. Die phytopharmakologischen Eigenschaften der Pflanze machen sie zu einer wertvollen Komponente diätetischer Produkte besonders für Konsumenten mit milder Herzinsuffizienz, Herzgefäßproblemen oder Altersherz.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeWermut

Medizin muss bitter schmecken – auf den Wermut trifft diese als Volksweisheit voll und ganz zu. Denn es sind die Bitterstoffe, die dem Wermut seine verdauungsfördernden Eigenschaften verleihen, indem sie die Bildung von Verdauungssäften fördern. Doch nicht immer diente die Heilpflanze als Magenmittel. In der Antike galt Wermut als Gegengift bei Pilzvergiftungen. Im Mittelalter setzte man den Wermut zum Erhalt der Geisteskraft ein. Allerdings wohldosiert, denn nach übermäßigem Genuss drohen unter anderem Schwindel und Krämpfe. Heute ist der Wermut-Tee in aller Munde, der als Wohltat für den Magen gilt.
Wissenschaftlicher Name: Artemisia absinthium.
Charakteristik
Der Wermut, auch Absinth oder bitterer Beifuß genannt, zählt zur botanischen Familie der Körbchenblütler (Asteraceae). Besonders charakteristisch ist sein stark würziger Geruch. Es handelt sich um eine ausdauernde Staude, die bis zu einem Meter hoch wächst. Die Pflanze wächst aufrecht, verzweigt in lang gestielten Blättern, die nach oben kleiner werden. Ihre Blütenstängel tragen von Juli bis September halbkugelförmige, hellgelbe Blütenköpfchen, die in Rispen angeordnet sind. Optisch ähnelt der Wermut dem Beifuß. Dieser wird auch als wilder Wermut bezeichnet, denn es handelt sich um den in freier Wildbahn wachsenden „Bruder“ des gezüchteten Gartenkrauts Wermut. Wichtigstes Unterscheidungskriterium: Der Wermut ist an seinen Stängeln und seinen Blättern weißfilzig behaart und besitzt dadurch einen leichten Grauschimmer. Der Beifuß dagegen kennzeichnet sich durch braunrötliche Stängel und seine Blüten schimmern oft rötlich.
Medizinisch verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten oberen Sprossen und Laubblätter des Wermuts oder die getrockneten unteren Laubblätter der Pflanze.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen, Appetitmangel, mangelhafter Magensaftbildung und Verdauungsstörungen infolge krampfartiger Gallenwegsbeschwerden
Dosierung
Tagesdosis: 2-3 g Droge
Risiken und Nebenwirkungen
Wermut enthält das Nervengift Thujon, das hochdosiert zu Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, zentralnervösen Zuständen sowie Magen- und Darmkrämpfen führen kann. Vom Dauerkonsum wird abgeraten. Für Schwangere und Kinder eignet sich Wermut nicht. Das Bundesgesundheitsamt nennt als Gegenanzeigen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Über weitere Anwendungsbeschränkungen berät der Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelWilde Karde

Schon der griechische Arzt Dioskurides empfiehlt, die Wurzel der Wilden Karde in Wein sieden zu lassen und dann zu zerstoßen, bis eine dicke, wachsähnliche Paste entsteht, die gut gegen Schrunden und Fisteln am Hintern sei. Diese Paste vertreibe sogar Warzen, wenn man sie in kupfernen Dosen aufbewahre.
Bei der Wilden Karde sind die Ränder der Laubblätter oberhalb des Stängelansatzes zusammengewachsen, sodass ein Trichter entsteht, in dem sich Wasser sammelt. Darauf bezieht sich der botanische Name der Pflanze an. Dipsacus enthält das griechische Wort dipsa für Durst. Das gesammelte Regenwasser kann Vögeln wie Wanderern als Wasserreservoir dienen. Im Volksmund heißt sie deshalb auch Zisternenpflanze. Es wurde angenommen, dass das Wasser aus diesen Trichtern besondere Heilkraft hätte. Ein anderer Name ist Venusbad. Es hieß, Mädchen, die sich mit dem Wasser aus dem kleinen Trichter wuschen, würden besonders schön.
Der deutsche Name Karde ist dem lateinischen Wort für Distel – carduus – entlehnt. Die Wilde Karde ist zwar ziemlich stachelig, botanisch gesehen aber keine Verwandte der Distel.
Bisweilen wird die Wilde Karde mit der nahe verwandten Weberkarde verwechselt. Die trockenen Fruchtstände der Weberkarde dienten zum Kämmen (Kardieren) von ungesponnener Wolle, weshalb die Karde auch das Innungszeichen der Tuchmacher war. Die Spreublätter der Fruchtstände sind bei der Wilden Karde allerdings zu biegsam, um sie in gleicher Weise verwenden zu können.
Wissenschaftlicher Name: Dipsacus fullonum, Dipsacus sylvestris.
Charakteristik
Die zweijährige Pflanze gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Sie erreicht eine Größe von 80–150 cm. Der Stängel ist kantig. An den Stängelkanten und an der Mittelrispe der Blätter sitzen Stacheln. Die Laubblätter stehen sich gegenüber: Ihre Ränder sind an der Basis paarweise zusammengewachsen. Dadurch bilden sie einen Trichter, in dem sich Regenwasser und Tau sammelt.
Die 5–8 cm langen Blütenstände sind eiförmig und bestehen aus unzähligen violetten, röhrig verwachsenen Einzelblüten. Der Nektar ist daher nur für Hummeln mit langem Rüssel und Schmetterlinge erreichbar. Die Blütenstände umgeben dünne, stachelige Hüllblätter, die sich nach aufwärts biegen. Die Blüten öffnen sich als erstes in der Mitte des Blütenstands; der Vorgang setzt sich dann nach oben wie unten fort. Die Wilde Karde blüht von Juli bis August.
Von September bis Oktober reifen die Früchte – kleine Nüsse – heran. Die Heilpflanze ist ein typischer Tierstreuer: Bleiben vorbei streifende Tiere an den stacheligen Pflanzenteile, v.a. den Fruchtständen, hängen, werden die Nüsse von den elastischen Spreublättern und durch den Rückschlag der ganzen Pflanze mehrere Meter weit wegkatapultiert.
Die Wilde Karde findet sich in wärmeren Gebieten insbesondere auf Überschwemmungsflächen und an Ufern, aber auch auf Wegen, Weiden und in Ruinen sowohl in den Niederungen als auch im Hügelland.
Die Wilde Karde ist mit Ausnahme des hohen Nordens von Norwegen, Schweden und Finnland in ganz Europa bis nach Kleinasien und Nordafrika hinein verbreitet.
Medizinisch verwendet wird die Wurzel. Die Wurzel der Karde erntet man am besten im Herbst des ersten Jahres oder Frühjahr, da sie nach der Blüte holzig wird und weniger Wirkstoffe enthält.
Anwendungsbereiche
Volksmedizin: äußerlich bei kleineren Wunden, Hautschrunden und kleinen Einrissen in Haut und Schleimhäuten, Gerstenkörner, Fisteln, Hautflechten und Warzen; auch zur Einreibung bei Rheuma.
Neuerdings wird in der naturheilkundlichen und esoterischen Praxis die Kardenwurzel auch innerlich als alkoholische Tinktur oder Tee begleitend zur Antibiotika-Therapie bei Borreliose angewendet. Es gibt aber keine klinischen Studien, die belegen, dass die Wilde-Karde-Tinktur den Verlauf der Borreliose in irgendeiner Weise beeinflusst.
Sonstige Verwendung
Die getrockneten Pflanzen liefern einen wasserlöslichen Farbstoff, der als Ersatz für Indigo verwendet wurde.
Dosierung
Vorzugsweise als alkoholische Tinktur, aber auch als Tee, Bad oder Umschlag.
Wirkung und Nebenwirkungen
Die Wurzel der Wilden Karde enthält das Glykosid Skabiosid, Terpene, Kaffeesäureverbindungen, organische Säuren, Glukoside und Saponine. Die Wirkstoffe sollen eine antibakterielle, entgiftende, blutreinigende, harn-, galle- und schweißtreibende Wirkung haben.
Bei bestimmungsgemäßer Einnahme in therapeutischer Dosis sind für die Wilde Karde keine Anwendungsrisiken und Nebenwirkungen bekannt.
Wolfstrapp

Wolfstrapp wurde bereits in mittelalterlichen Arzneibüchern erwähnt, doch größere Beachtung erlangte der Lippenblütler erst in der modernen Phytotherapie. Denn Wolfstrapp zählt zu den wenigen Heilpflanzen, die das menschliche Hormonsystem beeinflussen – vor allem die Sexual- und Schilddrüsenhormone. Aus diesem Grund wird die Heilpflanze heute vor allem zur Regulation bei leichter Schilddrüsenüberfunktion verwendet, die mit Herzrasen und Nervosität einhergeht. Ihre medizinische Wirkung wird sekundären Pflanzenstoffen zugeschrieben, insbesondere den Flavonoiden und Phenolcarbonsäure. Studien legen nahe, dass diese Inhaltsstoffe den Jodtransport und das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH hemmen. Darüber hinaus senkt Wolfstrapp den Spiegel des Sexualhormons Prolaktin. Aufgrund dieser Eigenschaft kommt die Pflanze auch bei Spannungs- und Schwellungsgefühlen in der Brust zum Einsatz, wie sie vor allem beim prämenstruellen Syndrom auftreten.
Wissenschaftlicher Name: Lycopus virginicus/europaeus
Charakteristik
Wolfstrapp gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Es handelt sich um eine krautige Staude mit vierkantigem Stängel und einer Wuchshöhe von bis zu 100 cm. Ihre Blätter sind lanzettenartig bis eiförmig, grob gezähnt und haben Ähnlichkeit zur Nessel. In der Blütezeit (Juli und August) bilden sich wenige Millimeter große, weiße bis rosafarbene Lippenblüten an den oberen Blattachseln.
Medizinisch verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte, frische oder getrocknete Kraut des nordamerikanischen (Lycopus virginicus) oder europäischen Wolfstrapps (Lycopus europaeus).
Anwendungsbereiche
Innerliche Anwendung: bei leichter Schilddrüsenüberfunktion mit Beschwerden wie Unruhe, Schlafstörungen, Herzklopfen und Schwitzen, bei Spannungs- und Schwellungsgefühlen der weiblichen Brust
Dosierung
Aufguss: ca. 1,5 g (1/2 Teelöffel) zerkleinerte Droge mit 200–250 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, 1-mal täglich eine Tasse trinken
Risiken und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Wolfstrapp darf jedoch nicht bei Schilddrüsenunterfunktion oder bei einer Schilddrüsenvergrößerung ohne Funktionsstörung angewendet werden. Kontraindiziert ist auch die gleichzeitige Einnahme von Schilddrüsenhormonen sowie die Anwendung in Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern.
Wolftrapphaltige Arzneimittel können die Ergebnisse einer Schilddrüsenuntersuchung (Szintigrafie) verfälschen.
Quellen:
Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Ulrike Weber-Fina: Phyto-Steckbrief Eisenkraut. In: PTA heute, Nr. 18, September 2014, S. 72–73.