Heilpflanzen von A-Z
Tabak

Tabak gelangte durch Sir Walter Raleigh 1586 nach England und wurde strikt abgelehnt. Die Könige verboten ihn, die Priester belegten ihn mit Bann und im Osten wurden Raucher von Tabak zu grausamen Strafen verurteilt. Heute ist Tabak die weltweit verbreitetste Genuss- und Suchtdroge. Medizinisch galt Tabak als Beruhigungs- und Entspannungsmittel. Er kam aber auch als Brech- und Auswurf-förderndes Mittel zum Einsatz. Der Rauch wirkt auf das Gehirn und kann Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit auslösen. In der Landwirtschaft hilft er Läuse und Würmer zu beseitigen.
Wissenschaftlicher Name: Nicotiana tabacum L.
Charakteristik
Tabak stammt aus dem tropischen Amerika und wird heute vor allem in den USA, China, der Türkei, Griechenland, Holland, Frankreich, Deutschland und den meisten subtropischen Ländern kultiviert. Die Pflanze blüht von Juni bis September und wird in dieser Zeit auch geerntet. Medizinisch verwendet werden die getrockneten Blätter.
Anwendungsbereiche
Volksmedizin: bei Zahnschmerzen, Moskito- und Bienenstichen, bei Wurmerkrankungen, Hautparasiten und Gallenflussstörungen. Früher wurde die Pflanze noch bei Verstopfung und als Abtreibungsmittel eingesetzt. Davon ist aufgrund der Giftigkeit abzuraten.
Dosierung
Homöopathie: 5 Tropfen oder 1 Tablette oder 10 Globuli oder 1 Messerspitze Verreibung alle 30-60 Minuten (akut) oder 1-3-mal täglich (chronisch)
Wirkung und Nebenwirkungen
Die pharmakologische Wirkung der Droge wird durch das enthaltene Nicotin und die Begleitstoffe bestimmt. Eine blutdrucksteigernde und verdauungsstimulierende Wirkung zeigt sich bei kleinen Dosen, bei größeren Dosen treten die umgekehrten Effekte ein. Die Droge kann zentral stimulierend wirken.
Da Tabakblätter stark giftig sind beträgt die tödliche Dosis für Erwachsene 40 bis 100 mg der Droge (eine Zigarette enthält ca. 10 mg Nicotin, davon werden beim Rauchen 1-2 mg inhaliert). Durch Gewöhnung kann die tödliche Dosis angehoben sein. Bei hohen Dosen treten Vergiftungserscheinungen auf: Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Zittern der Hände, Schwächegefühl in den Beinen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit, Herzstillstand, Atemlähmung. Über die Gefahren des Aktiv- und Passivrauchens beraten auch Ärzte und Apotheker. Aufgrund der hohen Giftigkeit ist die medizinische Anwendung nur zur Entwöhnung von der Nikotinsucht zu vertreten.
Anwendung in Lebensmitteln
Tabak ist eine der am weitesten verbreiteten, süchtig machenden Drogen. Aus medizinischer Sicht ist Tabak eine wertvolle Arzneipflanze mit beruhigender, harntreibender Wirkung, weshalb eine Verwendung in Functional Food Produkten plausibel wäre. Auch diätische Maßnahmen zum Umgang mit Nikontinentzugssymptomen sind vorstellbar.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeTausendgüldenkraut

Die Anwendung des Tausendgüldenkrauts als Heilpflanze ist bis ins 5. Jahrhundert vor Christus belegt. Dioskurides empfahl sie als Abführ-, Augen- und Wundmittel. In mittelalterlichen und neuzeitlichen Kräuterbüchern wird sie unter anderem als Mittel gegen Schlangenbisse, Magenbeschwerden und Fieber beschrieben. Die Bedeutung der Pflanze als Heilmittel lässt seine Namensherkunft erahnen: Ihr deutscher Name war bis ins 15. Jahrhundert Hundertguldenkraut – eine Anspielung darauf, dass die Pflanze kaum zu bezahlen war (Gulden bezeichnete eine Münze). Später wurde daraus übertreibend Tausendgüldenkraut.
Wissenschaftlicher Name: Centaurium erythraea Rafn.
Charakteristik
Die einjährige Pflanze wächst bis zu 30 cm hoch. Der Stängel ist aufrecht, die Blätter etwas fleischig und von einer länglichen bis lanzettlichen Form. Von Juli bis September bildet das Tausendgüldenkraut purpurfarbene, rosa oder weiße Blüten unterschiedlicher Größe. Jede Blüte wird von 5 Kronblättern und 5 Staubblättern umkranzt. Die Frucht ist eine große, gelbe Kapsel.
Medizinisch verwendet werden die getrockneten, oberirdischen Teile der blühenden Pflanze. Charakteristisch ist der bittere Geschmack. Die enthaltenden Bitterstoffe regen die Freisetzung von Magensaft und Speichel an.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden
Dosierung
Mittlere Tagesdosis: 6 g
Risiken und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Bei Magen- oder Darmgeschwür sollte die Droge nicht angewendet werden.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Teufelskralle

Der Name der leuchtend rot blühenden Pflanze ist auf die ankerartigen Haken der Samenkapseln zurückzuführen. Ursprünglich stammt die Teufelskralle aus der Kalahari-Wüste im Süden Afrikas. Dort ist sie schon seit langem Bestandteil der Naturmedizin. In der südafrikanischen Volksmedizin findet Teufelskralle unter anderem Anwendung bei Fieber und Verdauungsstörungen. Auch die moderne Medizin hat die Pflanze für sich entdeckt. Dank ihrer Bitterstoffe wirkt sie appetit- und verdauungsanregend. Besonders wertvoll sind die in der Wurzel enthaltenen Inhaltsstoffe, die entzündungshemmend, schmerzlindernd und abschwellend wirken. Sie werden als gut verträgliches Mittel gegen rheumatische Erkrankungen eingesetzt.
Wissenschaftlicher Name: Harpagophytum procumbens.
Charakteristik
Die Teufelskralle bildet bis zu 1,5 Meter lange, am Boden liegende Triebe und ein weit verzweigtes Wurzelsystem. Die fingerhutgroßen Blüten sind hellrosa bis pupurrot. Sie bilden bis zu 20 Zentimeter lange Samenkapseln, die sich mit ihren kleinen Haken am Fell von Tieren verfangen und so verbreiten. Medizinisch verwendet man die getrockneten unterirdischen Speicherwurzeln.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei dyspeptischen Beschwerden, Appetitlosigkeit und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Rheuma oder Arthrose
Dosierung
Tagesdosis: bei Appetitlosigkeit 1,5 g Droge, sonst 4,5 g
Thymian

Bereits die alten Griechen kannten und nutzten die heilende Wirkung des Thymians. Im 11. Jahrhundert soll er über die Alpen nach Nordeuropa gelangt sein. Überliefert ist, dass der Thymian in Nordamerika im 19. Jahrhundert als Badezusatz, Breiaufschlag und als warmer Umschlag eingesetzt wurde. In der Volksmedizin war Thymian ein bewährtes Mittel gegen eine Vielzahl von Krankheiten und Beschwerden. Dazu gehörten Unterleibskrämpfe, Koliken, Kopfschmerzen, Erkrankungen der Atemwege, Geschwülste, Quetschungen und Verrenkungen. Seit alters her ist das aromatische Kraut auch ein beliebtes Küchengewürz.
Wissenschaftlicher Name: Thymus vulgaris L.
Charakteristik
Thymian stammt aus Mittel- und Südeuropa. Das Kraut wird geschnitten, getrocknet und anschließend gerebelt, gesichtet und gesiebt. Medizinisch verwendet werden das aus dem frischen, blühenden Kraut gewonnene Öl, die abgestreiften und getrockneten Laubblätter und Blüten sowie alle frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Katarrhen der Atemwege, Reizhusten und Keuchhusten.
Sonstige Verwendung
Haushalt: als Gewürz und Ingredienz von Likören.
Dosierung
Tagesdosis: 10 g Droge mit 0,03 % Phenolen.
Wirkung und Nebenwirkungen
Laborstudien zufolge erleichtert Thymiankraut vor allem den Auswurf von Bronchialsekret. Diese Eigenschaft ist darauf zurückzuführen, dass Thymian in den Bronchien krampflösend wirkt. Das in der Droge enthaltene ätherische Öl Thymol wirkt darüber hinaus auch stark antimikrobiell gegen verschiedene Schimmelpilze, Bakterien, Protozoen und Herpes-simplex-Viren. Die meisten klinischen Studien mit Menschen sind älter und entsprechen nicht den heutigen wissenschaftlichen Standards.
Anwendung in Lebensmitteln
Thymian ist ein beliebtes Küchenkraut, das in der Nahrungsmittelindustrie auf breiter Basis eingesetzt wird. Die Tatsache, dass es den Auswurf von Bronchialsekret erleichtert, kombiniert mit seinen antimikrobiellen Aktivitäten machen es zu einem potenten Inhaltsstoff so genannter Functional-food-Produkte.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeTollkirsche

Bereits im Altertum wurde die Tollkirsche zum Kurieren zahlreicher Krankheiten eingesetzt. Darüber hinaus diente sie Frauen als Mittel, den Männern zu gefallen. Denn ihr hochwirksamer Saft erweitert die Pupillen und macht so die Augen schön. Davon leitet sich der Name Belladona ab, was "schöne Frau" bedeutet. Die Bezeichnung Tollkirsche verdankt sie ihrer Wirkung. Die giftige Pflanze mit ihren schwarzen, kirschgroßen Beeren löst in einer hohen Dosis Halluzinationen und Tobsuchtsanfälle aus. Ihr Verzehr kann daher tödlich sein. Doch Homöopathen schätzen bis heute den krampflösenden und fiebersenkenden Effekt der Inhaltstoffe.
Wissenschaftlicher Name: Atropa belladonna.
Charakteristik
Auch Teufelsbeere oder Schlafkirsche genannt, gehört die Tollkirsche zur Familie der Nachtschattengewächse. Sie wächst in Laubwäldern sowie auf Lichtungen und Weiden und ist in Europa, Kleinasien und Nordafrika verbreitet. Die ausdauernde, krautartige Pflanze hat stumpfkantige Stängel und wächst bis zu 1,50 Meter hoch. Ihre Blätter bilden eine Ei- oder Ellipsenform. Die hängenden Blüten sind außen von braunvioletter, innen von gelber Farbe. Die kirschartigen Beerenfrüchte sind schwarz und glänzend und reifen im Herbst heran. In der Frucht sitzen ovale, braune Samen, von denen nur etwa die Hälfte keimfähig ist.
In der Heilkunde verwendet man die Blätter, gelegentlich auch Zweigspitzen mit Blüten, die Früchte und die Wurzeln. Zubereitungen enthalten die Alkoloide der Pflanze in wirksamer Dosierung, darunter Hyoscyamin, Atropin, Scopolamin. Die Wirkstoffe werden aus der ganzen, frischen Pflanze herausgezogen. Das Vergären des Presssaftes ist eine andere Verfahrensweise.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: In der Homöopathie kommt die Tollkirsche vielfältig zum Einsatz. Als weiterverarbeitetes Mittel mit Extrakten wird sie in flüssiger oder fester Form eingenommen, zum Beispiel als Pulver. Die Pflanze eignet sich dank ihrer krampflösenden Wirkung zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen und kolikartigen Schmerzen bei Magen-Darm-Erkrankungen.
Dosierung
Die maximale Einzeldosis von fertigem Belladonna-Pulver beträgt 50 bis 100 Milligramm. Tödlich verlaufende Vergiftungen durch den Verzehr der Beeren treten bei Kindern ab drei Beeren, bei Erwachsenen ab 10 Beeren auf.
Wirkung und Nebenwirkungen
Ihre Inhaltstoffe wirken auf das vegetative, periphere Nervensystem, insbesondere auf die glatte Muskulatur wie Magen-Darm-Trakt, Galle und Blase. Sie lösen somit Krämpfe und lindern Schmerzen.
Mögliche Nebenwirkungen sind Gereiztheit, Mundtrockenheit, Kratzen im Hals, Heiserkeit und heiße, gerötete Haut. In einer höheren Dosis erregt Atropin das zentrale Nervensystem und es kommt zu Halluzinationen, Angstzuständen bis hin zu Tobsuchtsanfällen. Ab 50 Milligramm Atropin ist die Einnahme lebensgefährlich, es löst tödliche Atemlähmungen aus.
Traubensilberkerze

Die Traubensilberkerze stammt aus den USA und Kanada. Die Indianer verwendeten sie als Mittel gegen Schlangenbisse und bei Entbindungen. Vermutlich wegen der rasselnden Geräusche der Fruchtkapseln nennt man sie auch Klapperschlangenkraut oder Schlangenwurzel. Seit dem 18. Jahrhundert wird die Pflanze gegen zahlreiche Beschwerden wie Impotenz, Magenprobleme oder Ohrensausen eingesetzt und ist ein beliebtes Mittel in der Frauenheilkunde. Durch den wissenschaftlichen Nachweis der östrogenähnlichen Eigenschaften hat die Traubensilberkerze Eingang in die moderne Medizin gefunden. Medikamente mit Auszügen der Pflanze helfen bei Menstruationsbeschwerden. Außerdem gelten sie als natürliche Alternative zur Hormonbehandlung bei Wechseljahresbeschwerden, da sie den weiblichen Hormonhaushalt ins Gleichgewicht bringen.
Wissenschaftlicher Name: Cimicifuga racemosa.
Charakteristik
Die Traubensilberkerze ist eine krautige Pflanze, die bis zu 2 Meter hoch wächst. Auf dem schmalen staudenförmigen Blütenstand stehen zahlreich weiße Blüten. Zum Ende der Blütezeit im September bilden sich eiförmige Kapseln mit zahlreichen Samen. Medizinisch verwendet man die frischen und getrockneten Wurzeln.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Beschwerden der Wechseljahre und Menstruationsbeschwerden
Dosierung
Tagesdosis: als Extrakt 40 mg Droge, als Tee 3 g Droge
Fertigpräparate sind in Form von Trockenextrakten, Lösung, Tropfen und Tabletten zu erhalten. Anwendung und Dosierung entsprechend der Angaben des Herstellers.
Nebenwirkungen
Gelegentlich treten bei der Einnahme Magenschmerzen auf.
Autor: Th. Brendler u. a., A. Schenk u. a., D. Frohne; K. StegherrTürkenbund

Die Türkenbundlilie wurde schon in den mittelalterlichen Kräuterbüchern von Bock und Matthiolus erwähnt. Bock bildete sie ab und übernahm die Indikationen des Dioskurides, der die Zwiebel in Wein als Diuretikum, gegen Schwellungen und Geschwüre der Brüste und Genitalien empfahl. Zwiebelasche mit Honig sollte als Salbe gegen Haarausfall wirken.
Wissenschaftlicher Name: Lilium martagon L.
Charakteristik
Die Pflanze stammt aus China und Japan, kommt heute jedoch auch in Mittel- und Südeuropa vor. Blütezeit ist Juli bis August. Medizinisch verwendet werden die Blätter, Stängel und Blüten, die gesammelt werden, wenn die Pflanze in voller Reife ist.
Anwendungsbereiche
Als Diuretikum und bei Regelstörungen. Äußerlich auch bei Geschwüren. Überwiegend in der Homöopathie.
Dosierung
keine Angaben
Wirkung und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Zur Bewertung der Wirksamkeit liegen unzureichende Informationen vor.
Anwendung in Lebensmitteln
keine Angaben
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke