Heilpflanzen von A-Z
Maiglöckchen

Maiglöckchen sind beliebte Zierpflanzen für den Garten. Dank ihres charakteristischen Duftes ist das Öl der Blüten außerdem Bestandteil vieler Parfums und Kosmetika. Doch nicht nur Geruch und Aussehen der Maiglöckchen erfreuen sich großer Beliebtheit, Teile der Pflanze werden auch medizinisch genutzt. Lange Zeit verwendete man die Blüten und Blätter in der Volksmedizin gegen Ohnmacht, Schwindel, Herzklopfen, Lähmungen oder Gedächtnisschwäche. Heute wird von einer Selbstmedikation abgeraten, da alle Pflanzenteile stark giftig sind und in hohen Dosen schwere Vergiftungen auslösen. In der Schulmedizin kommt die Pflanze weiterhin zum Einsatz, denn sie enthält herzwirksame Glykoside. In der richtigen Dosis helfen Extrakte aus Maiglöckchen bei leichter Herzinsuffizienz, Altersherz und chronischem Cor pulmonale (Lungenherz).
Wissenschaftlicher Name: Convallaria majalis.
Charakteristik
Die weißblühenden Maiglöckchen sind in ganz Europa heimisch. Sie wurden auch in Nordamerika und im nördlichen Asien eingeführt. Die Hauptblütezeit ist, wie der Name schon sagt, der Mai. Dann trägt die Pflanze einen Blütenstand mit bis zu zehn glöckenförmigen, weißen Blüten. Diese entwickeln sich zu runden, leuchtend roten Beeren. Die Blätter der Maiglöckchen sind elliptisch zugespritzt. Insgesamt erreicht die Blume eine Wuchshöhe von 15 bis 20 Zentimeter. Medizinisch verwendet man die Blüten, das Kraut und den Wurzelstock.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei leichter Herzinsuffizienz, Altersherz und chronischem Cor pulmonale (Lungenherz)
Sonstige Verwendung
Industrie: Duftstoff in Parfums und Kosmetika
Dosierung
Trockenextrakt: Einzeldosis 0,2 g, Tagesdosis 0,6 g
Hinweis
Alle Teile des Maiglöckchens sind stark giftig. Daher wird von einer Selbstmedikation abgeraten.
Autor: Th. Brendler, J. Gruenwald, Chr. Jaenicke, K. StegherrMajoran

Das Küchenkraut bereichert nicht nur den Geschmack, sondern auch die Gesundheit. Es wirkt verdauungsfördernd, lindert Krampfe und Blähungen. Aus diesem Grund werden vor allem schwere, fettige Speisen mit Majoran gewürzt. Zur Unterstützung der Verdauung wird Majoran schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt. Doch das war nicht sein einziges Einsatzgebiet: Vom Kraut versprach man sich auch eine harntreibende Wirkung. Zudem diente die Pflanze als Hustenmittel und Aphrodisiakum. Auch als Mittel gegen Frauenleiden wurde sie beschrieben. Diese Funktion schlägt sich noch heute in der anthroposophischen Medizin nieder. Die europäische Arzneimittelbehörde verzeichnet Majoran als traditionelles Arzneimittel. Es ist demnach für Erwachsene als Teeaufguss bei Verdauungsstörungen geeignet.
Wissenschaftlicher Name: Origanum majorana.
Charakteristik
Majoran gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der bis zu 60 cm hohe Strauch trägt kleine, ovale Blätter. Zur Blütezeit von Juli bis September zeigen sich winzige weiße oder rosafarbene Blüten. Sie sind rispenartig zu Blütenköpfchen angeordnet. Majoran ist in der südöstlichen Mittelmeerregion und im Südwesten Asiens heimisch, wird jedoch auch in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel angebaut. Charakteristisch sind sein würziger Geruch und bitterer Geschmack.
Medizinisch verwendet werden die getrockneten, zur Blütezeit gesammelten Blätter und Blüten, gelegentlich auch das durch Wasserdampf gewonnene Öl, die frischen, oberirdischen Teile blühender Pflanzen oder die frische und blühende ganze Pflanze.
Anwendungsbereiche
Innerliche Anwendung: bei Verdauungsstörungen (nur Erwachsene)
Dosierung
Aufguss: 1–2 Teelöffel Droge mit 200–250 ml heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, abseihen, schluckweise 1–2 Tassen pro Tag trinken
Risiken und Nebenwirkungen
Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind nicht bekannt. Majorankraut enthält in niedriger Konzentration Arbutin, einen Vorläufer von Hydrochinon. Da Hydrochinon im Verdacht steht, Krebs zu fördern, sollte Majoran nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Majoransalbe sollte nicht bei Säuglingen zum Einsatz kommen.
Quellen:
Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Ulrike Weber-Fina: Phyto-Steckbrief Eisenkraut. In: PTA heute, Nr. 7, April 2017, S. 108–110.
Malve

Griechische und römische Ärzte nutzten die Pflanze gegen Verstopfungen, bei Blasen- und Eingeweidebeschwerden. Sie wird im Mittelalter von Hildegard von Bingen und Paracelsus erwähnt. In der Volksmedizin wurden vor allem Husten und Entzündungen der Atemwege mit ihr behandelt. Blätter und Blüten ergeben gute Wickel gegen Entzündungen und Wunden. Früher kam Malve auch als Färbemittel zum Einsatz.
Wissenschaftlicher Name: Malva sylvestris L.
Charakteristik
Ursprünglich wahrscheinlich südeuropäischen Ursprungs, ist die Pflanze heute in den subtropischen und gemäßigten Breiten beider Hemisphären anzutreffen. Sie blüht von Juni bis September und wird den ganzen Sommer über bis Oktober geerntet. Medizinisch verwendet werden die getrockneten Blüten, die getrockneten Laubblätter und die gesamte, blühende frische Pflanze.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und trockenem Reizhusten.
Dosierung
Tagesdosis: 5 g Droge
Wirkung und Nebenwirkungen
Die Droge vermittelt Schleimhautschutz, einhüllende und reizlindernde Wirkung und wird daher bei Schleimhautreizungen des Mund- und Rachenraumes empfohlen. Risiken der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Anwendung in Lebensmitteln
Die Pflanze ist Bestandteil von Teemischungen und wirkt aufgrund des hohen Gehalts an Schleimstoffen lindernd und einhüllend.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeMariendistel

Seit Jahrhunderten verwendet man die Droge gegen akute Leberleiden, chronische Leberentzündung und Fettleber. Nicht ohne Grund: Experimentelle Laboruntersuchungen legen nahe, dass der in den Früchten enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Silymarin die Leber schützt. Silymarin verändert die Zellmembran der Leberzellen, sodass schädigende Giftstoffe nicht mehr in die Leberzellen eindringen können. Darüber hinaus steigert der Wirkstoff die ribosomale Eiweißneubildung und damit die Regenrationsfähigkeit der Leber nach einer Schädigung. Wichtigstes Anwendungsgebiet des Mariendistel-Tees sind Leber- und Gallenbeschwerden, seltener kommt der Tee als Mittel gegen Magen- und Darm-Beschwerden zum Einsatz. Bei einer akuten Knollenblätterpilzvergiftung kann die Mariendistel Leben retten.
Wissenschaftlicher Name: Silybum marianum.
Charakteristik
Die Mariendistel ist in Europa heimisch und erreicht eine Höhe von bis zu 2 m. Sie ist anhand ihrer großen, grünweiß marmorierten Blätter gut zu erkennen. Der namensgebenden Legende nach soll die weiße Marmorierung der Mariendistel von Milchtropfen der Jungfrau Maria stammen. Wie bei allen Disteln sind die Blätter dornig gezahnt. An den Spitzen der Stängel sitzen einzeln die purpurroten kugeligen Körbchenblüten. Von Juli bis August trägt die Pflanze harte braune Früchte mit seidiger Haarkrone.
Medizinisch verwendet werden die ungeschälten Früchte (Cardui mariae fructus). Das früher in der Volksmedizin verwendete Kraut (Cardui mariae herba) wird nicht mehr angewendet, da es kein Silymarin enthält.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei leichten Verdauungsbeschwerden, Gallensteinleiden, Gelbsucht, toxischen Leberschäden (z. B. alkohol- oder arzneimittelbedingt), chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, als Gegenmittel bei akuter Knollenblätterpilzvergiftung
Dosierung
Tagesdosis: 12–15 g Droge, entsprechend 200–400 mg Silymarin
Verfügbare Fertigarzneimittel: Dragées, Kapseln, Suspensionen, Tropfen und Kombinationspräparate
Risiken und Nebenwirkungen:
Risiken und Nebenwirkungen der bestimmungsgemäßen Anwendung therapeutischer Dosen der Droge sind nicht bekannt.
Quelle: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof Jaenicke: Heilpflanzen CD-ROM (Herbal Remedies), 2003 MedPharm
Autor: Sandra GöbelMauerpfeffer

Der scharfe Mauerpfeffer gehört zu den am längsten genutzten Heilpflanzen. Schon der griechische Arzt Hippokrates erwähnt in seinen Schriften Mauerpfeffer als Mittel gegen Schwellungen und Entzündungen sowie zum Anregen der Menstruation. Laut dem römischen Schriftsteller Plinius verhilft die Pflanzen Kranken zu gutem Schlaf, wenn sie in ein schwarzes Tuch gewickelt und ihnen unter den Kopf gelegt wird, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Betroffenen nichts davon wissen. Im Mittelalter verwendete man das Kraut gegen Geschwülste, schnelle Fieber, hitzige Bauchflüsse und Gicht. Einige Gelehrte zweifelten zwar die Wirksamkeit von Mauerpfeffer an, empfahlen es aber als Therapie bei Skorbut. Der spanische Arzt Duval berichtet im 19. Jahrhundert, er habe den frischen Pflanzensaft mit Bier vermischt und bei Diphtherie gegeben – und dies 30 Jahre lang mit Erfolg.
Wissenschaftlicher Name: Sedum acre L.
Charakteristik
Die Pflanze ist in ganz Europa, Westsibirien, den Kaukasusländern und Nordamerika verbreitet.
Der scharfe Mauerpfeffer gehört zur Gattung Sedum, die ca. 420 verschiedene Arten umfasst. In der Familie der Dickblattgewächse sind sie umfangreichste Gattung. Die Pflanze ist ausdauernd, wächst 2–15 cm hoch und bildet sehr viele astartige, verzweigte Sprossen aus. Die dicken, fleischigen Blätter speichern viel Wasser. Die Früchte des Mauerpfeffers sind Balgfrüchte: Nachdem sie verblüht sind, spreizen sie sich auseinander und bilden einen fünftstrahligen Stern.
Vom scharfen Mauerpfeffer können alle Teile der blühenden Pflanze verwendet werden. Die frischen Pflanzenteile helfen zerdrückt als Auflage, oder man nutzt den ausgepressten Pflanzensaft. Um Mauerpfefferkraut herzustellen, trocknet man die Pflanzenteile an der Sonne, besser noch bei künstlicher Wärme. Kennzeichnend – und namensgebend – für den Mauerpfeffer ist sein scharfer, pfefferartiger Geschmack.
Anwendungsbereiche
Volksmedizin
Homöopathie: bei Hämorrhoiden- und Afterschmerzen, v.a. Afterfissuren.
Dosierung
Abkochung: 1 TL voll auf eine Tasse Wasser. Die Tagesdosis ist hierbei 3 g der Droge, was ca. 2 vollen TL entspricht.
Homöopathie:
- Oral: 5 Tropfen oder 1 Tablette oder 10 Globuli oder 1 Messerspitze Verreibung alle 30–60 Minuten (akut) oder 1–3-mal täglich (chronisch)
- Parenteral: akut 1–2 ml s. c. 3-mal täglich, chronisch dieselbe Dosis 1-mal pro Tag.
Wirkung und Nebenwirkungen
Im Tierversuch wirkte die Droge sowohl motilitätshemmend als auch –steigernd. Mauerpfeffer enthält verschiedene Alkaloide und Gerbstoffe. Dies könnte erklären, warum die Pflanze zur Wundbehandlung eingesetzt wird.
Sind der Magen-Darm-Trakt oder die ableitenden Harnwege entzündet, sollte Mauerpfeffer nicht eingenommen werden.
Anwendung in Lebensmitteln
Dass Mauerpfefferkraut in Lebensmitteln Anwendung findet, ist nicht bekannt.
Andere volkstümliche Namen des Mauerpfeffers sind Fetthenne, Steinpfeffer, Mauerträubchen, Hühnerträubchen oder Vogelbrot.
Autor: Th. Brendler, J. Gruenwald, Ch. JaenickeMeerrettich

Meerettich, wilder Rettich, Kren, Baiwurzel – das alles sind Namen für den Meerettich. Heute würzt Meerrettich Tafelspitz und Lachsbrötchen. Früher war er eher als Heilpflanze bekannt. Schon im antiken Pompeji schwörten Ärzte bei Lendenleiden auf Meerrettich. Im Mittelalter setzten sie ihn bei Skorbut und Dreitagefieber ein. Gegen Erkältungen und Harnwegsinfekte ist er heute noch bei vielen ein beliebtes Mittel. Auch Krebs soll Meerrettich vorbeugen.
Wissenschaftlicher Name: Armoracia rusticana.
Charakteristik
Meerrettich stammt ursprünglich aus dem Wolga-Donau-Gebiet, in Mitteleuropa und in anderen Teilen der Erde wächst er verwildert. Medizinisch verwendet wird nur die Wurzel, deren Erntezeit im Spätsommer beginnt.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: Atemwegs-, Harnwegsinfekte
Dosierung
Tagesdosis: täglich 20 g der frischen Wurzel
Wirkung und Nebenwirkungen
Bei Harnwegs- und Atemwegsinfekten ist die Wirksamkeit von Meerrettich gut belegt. Salben und Gele mit Senfölen lindern nachweislich Rheumabeschwerden und Muskelschmerzen. Sie reizen jedoch die Schleimhäute. Daher ist es wichtig, Meerrettichpräparate nicht überzudosieren. Bei Magenblutungen oder -geschwüren empfiehlt es sich sogar, gänzlich auf Meerrettich zu verzichten.
Anwendung in Lebensmitteln
Geriebener Meerrettich würzt Soßen, Salate und Fleischgerichte. Als Sahnemeerrettich schmeckt er auch zu geräuchertem Fisch.
Autor: Thomas Brendler, Joerg Gruenwald, Christof JaenickeMelisse

Im griechisch-römischen Altertum diente die Melisse außer als Heilpflanze vor allem als Bienenweide. Der griechische Pharmakologe Dioskurides sah in ihr ein gutes Mittel gegen die Stiche von Skorpionen und Spinnen sowie Hundebisse.
Melisse förderte als Sitzbad die Menstruation, als Mundspülung half sie gegen Zahnschmerzen und als Einlauf gegen die Ruhr. Der römische Gelehrte Plinius ergänzte diese Anwendungen um ein Mittel gegen Verdunklung der Augen. Plinius und Dioskurides waren der Meinung, dass Melissenöl offene Wunden ohne Infektion heilen könne.
Wissenschaftlicher Name: Melissa officinalis L.
Charakteristik
Das Verbreitungsgebiet der Melisse erstreckt sich auf die Kaukasusländer, Türkei, Marokko, Tunesien, die Iberische Halbinsel und den Balkan. Medizinisch verwendet werden das durch Destillation gewonnene Öl, die getrockneten Laubblätter, die frischen Blätter und die ganze Pflanze.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung
Äußere Anwendung
Homöopathie: Bei Regelstörungen
Sonstige Verwendung
Haushalt: frische Blätter als Gewürz in Salaten und Soßen
Dosierung
Tagesdosis: Tee/Aufguss: 1,5–4,5 g Droge (3–7 TL) auf 150 ml, 10–15 min. ziehen lassen, mehrmals täglich eine Tasse. Bei Kombination wird in der Regel Trockenextrakt mit einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 4–6:1 (Auszugsmittel: Ethanol 30 Vol.-% oder gereinigtes Wasser) verwendet.
Wirkung und Nebenwirkungen
Im Laborversuch ließ sich eine antibakterielle, antivirale, antioxidative und antihormonale Wirkung feststellen. Im Tierversuch zeigte sich, dass Melisse die Gallenabsonderung anregt und gegen Geschwüre wirkt. Weiterhin existieren diverse tierexperimentelle Daten, die die beruhigende Wirkung von Melisse belegen.
In Studien mit unter Schlaflosigkeit leidenden Patienten wurde die therapeutische Wirksamkeit einer standardisierten Kombination aus Baldrian und Melisse untersucht. Schlafqualität, Tagesbefinden und klinischer Gesamteindruck verbesserten sich signifikant. Weitere Studien führten zu ähnlichen Ergebnissen im Hinblick auf Einschlaf- und Durchschlafstörungen und nervöse Unruhen.
Anwendung in Lebensmitteln
Melisse wird häufig als Küchenkraut in Salaten, Desserts und Soßen verwendet und ist Inhaltsstoff von Backwaren, tiefgekühlten Molkereiprodukten, alkoholischen und alkoholfreien Getränken. Eine alkoholhaltige Arznei (Melissengeist), die im 17. Jahrhundert in einem französischen Karmeliterinnenkloster erfunden wurde, wird heute noch rezeptfrei in Apotheken und Drogerien angeboten.
Die Pflanze wirkt beruhigend, antioxidativ, antibakteriell, antiviral, antihormonal, hilft gegen Blähungen und regt die Gallenabsonderung an. Sie besitzt somit ein großes Potenzial als möglicher Inhaltsstoff in speziellen Diätprodukten.
Mistel

Seit langer Zeit hat sie den Ruf als Heil- und Zauberpflanze: die Mistel. Der Name leitet sich von althochdeutschen "mistil" ab und bezieht sich auf den Vogeldreck, mit dem die Samen übertragen werden. Viele kennen den frisch grünen Zweig aus den Asterix-Comics. Die Mistel ist ein Bestandteil des vom Druiden Miraculix gebrauten Zaubertranks, der den Galliern ihre übermenschlichen Kräfte verleiht.
Überliefert ist, dass die Druiden Misteln als heiliges Kraut rituell verehrten und sie zeremoniell mit einer goldenen Sichel von den Bäumen schnitten. Dann gaben sie die Pflanze in einen Trank, der Vergiftungen heilen und zu mehr Fruchtbarkeit verhelfen sollte.
Heute zieren die kugelförmigen Mistelzweige in England und den USA zur Weihnachtszeit traditionell die Wohnungsdecken. Es ist dort außerdem Brauch, dass unter dem Mistelzweig Stehende sich küssen.
Wissenschaftlicher Name: Viscum Album.
Charakteristik
Die Mistel gehört zur Familie der Sandelholzgewächse und wächst wild in Europa und Asien. Botanisch ist die immergrüne Mistel ein Halbschmarotzer. Sie wächst an Laubbäumen und Kiefern und entzieht ihnen Wasser und Nährstoffe, betreibt aber auch selbst Fotosynthese. Im Herbst ist sie als grüner Strauch an Baumkronen zu sehen. Ein Mistelstrauch erreicht eine Größe von einen Meter Durchmesser. Die hellgrünen Zweige verwachsen zu einer Kugelform. Die Blätter sind gelb-grün und zungenförmig. Nach der Befruchtung wachsen gelblich-weiße, erbsengroße Beerenfrüchte. In den Samen der Mistel steckt eine klebrige Substanz, damit sie sich am Ast fixieren können.
Für die Heilkunde relevante Inhaltstoffe sind vor allem die Lektine. Die Mistel-Lektine sind langkettige Glykoproteine, die Kohlenhydrate binden. Die Mistel enthält außerdem Viscotoxine – pflanzliche Eiweiße, die zellzerstörend wirken.
Anwendungsbereiche
In der Komplementärmedizin werden Mistel-Injektionslösungen häufig begleitend zur Therapie gegen Krebs eingesetzt. Dem anthroposophischen Ansatz zufolge entzieht die Mistel dem Krebs – ähnlich wie dem Baum – Nährstoffe und hungert ihn somit aus. Wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es dazu bisher keine. Berichte sprechen allerdings von positiven Effekten auf das psychische Wohlbefinden.
Homöopathen verwenden das Kraut der Mistel als leicht dosierte Arznei gegen Bluthochdruck. Die haut- und gewebereizenden Effekte der Viscotoxine macht sich die Reizkörpertherapie zunutze. Die Stoffe werden lokal injiziert, um Gelenkbeschwerden zu heilen, zum Beispiel Bandscheibenerkrankungen oder Arthrose.
Dosierung
Maximale Tagesdosis: 10 Gramm
Zur Behandlung von Bluthochdruck eignen sich zusätzlich industriell hergestellte Fertigarzneimittel, wie Mistel-Dragees, Mistel-Kräuterbonbons, Misteltropfen und -presssaft.
Wirkung und Nebenwirkungen
Der blutdrucksenkende und immunreizende Effekt wurde vielfach nachgewiesen. Nach aktuellem Kenntnisstand ist aber keine allgemeingültige Aussage zur Wirksamkeit von Mistelpräparaten möglich.
Als Nebenwirkung treten Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen und Schwindel auf. In seltenen Fällen sind allergische Reaktionen möglich.
Hohe Konzentrationen von Viscotoxinen lassen Gewebsteile absterben, Mistelpräparate dürfen darum nicht zu hoch dosiert werden. Der Verzehr der giftigen Beerenfrüchte kann Erbrechen auslösen.
Muskatnussbaum

In Europa wurde der Muskatnussbaum durch die Eroberung der Molukken durch die Portugieser um 1521 bekannt. Durch den Handel mit den Arabern nutzten die Europäer die Muskatnuss jedoch bereits im 12. Jahrhundert als Gewürz und Heilmittel, das sie z. B. bei Verdauungsbeschwerden und ansteckenden Fiebererkrankungen einsetzten.
Die Muskatnuss hat 2 Bestandteile, die einzeln verarbeitet werden: Den Kern, also die „Muskatnuss“ und das Fruchtfleisch „Mazis“. Während die Muskatnuss heute noch als Heilmittel und Gewürz auf dem Markt ist, spielt das Fruchtfleisch Mazis nur noch eine untergeordnete Rolle. In der bayerischen Küche wird Mazis jedoch immer noch zur Herstellung von Weißwürsten und Leberkäse verwendet.
Wissenschaftlicher Name: Myristica fragrans Houtt.
Charakteristik
Der Muskatnussbaum ist ein immergrüner Baum, der bis zu 15 m hoch wird. Seine Rinde ist glatt und gräulich-braun bzw. an den jungen Zweigen grün gefärbt. Die wechselständigen, dunkelgrünen Blätter mit scharfem Rand haben eine elliptische Form und werden bis zu 8 cm lang. Der Muskatnussbaum ist entweder männlich oder weiblich, allerdings kommen auf männlichen Bäumen auch weibliche Blüten und Früchte vor. Charakteristisch ist eine einfach, dreilappige Blütenhülle und Staubfäden, die zu einer Röhre verwachsen sind.
Die Pflanze ist auf den Molukken und in Neuguinea heimisch, wird heute aber auch in Indonesien, Vorder- und Hinterindien und in anderen tropischen Gebieten kultiviert.
In der Medizin wird der Samen „Muskatnuss“ und das Muskatnussöl verwendet.
Anwendungsbereiche der Muskatnuss
Volksmedizin: innerlich bei Durchfall und Dysenterie, Darmkatarrh, Magenkrämpfen, Blähungen und Erbrechen; äußerlich bei Rheuma und Neuralgien
Anwendungsbereiche des Muskatnussöls
Volksmedizin: innerlich bei Magenbeschwerden, Blähungen und Verdauungsstörungen; äußerlich bei Rheuma, Ischias und Nervenschmerzen und Erkrankungen der oberen Atemwege
Dosierung der Muskatnuss
Pulver: 0,3–1 g; max. 3-mal täglich
Dosierung des Muskatnussöls
Öl innerlich: 2–3-mal täglich 1–3 Tropfen einnehmen
Wirkung
Die Wirksamkeit der Droge ist nach den gültigen Kriterien für Prüfung von Arzneimitteln für die beanspruchten Indikationen bisher nicht belegt. Das im ätherischen Öl der Muskatnuss enthaltene Eugenol hemmt im Tierversuch jedoch eine medikamentös induzierte Diarrhö und verlangsamt die Passage von Aktivkohle im Gastrointestinaltrakt. Außerdem wurde der Droge sowohl eine antimikrobielle Wirkung als auch eine Wirkung auf die Prostaglandinsynthese nachgewiesen.
Risiken und Nebenwirkungen
Es sind keine Risiken und Nebenwirkungen bei bestimmungsmäßiger Anwendung und Dosis bekannt. Gelegentlich kann eine Kontaktdermatitis auftreten. Durch Biotransformation der Phenylpropanderivate im menschlichen Körper entstehen Amphetaminderivate. Diese verursachen bei Überdosierung (ab 1 bis 3 Muskatnüssen, nach einigen Angaben bereits nach einer halben Nuss) Durstgefühl, Übelkeit, Rötung und Schwellung des Gesichtes, Harndrang, leichte Bewusstseinsveränderungen bis hin zu intensiven Halluzinationen, die bis zu 3 Tage bestehen können.
Hinweise
Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht.
Nicht während der Schwangerschaft anwenden.
Mädesüß

Das echte Mädesüß gehörte zu den heiligen Pflanzen der keltischen Druiden. Sie verwendeten es für Heiltränke und hängten es ins Gebälk von Häusern, um das Böse abzuwehren. Im Mittelalter empfahl man Mädesüß bei Roter Ruhr – einer infektiösen, oft tödlichen Darmkrankheit. Auch gallereinigend sollte die Pflanze wirken. Der englische Botaniker John Gerard schreibt Ende des 16. Jhs., dass ein Trank aus in Wein gekochten Blüten von den Anfällen des Viertagefiebers befreit.
Bereits Anfang des 19. Jhs. wurde aus der Pflanze Salicylsäure isoliert, damals Spiersäure genannt. Zusammen mit der Weide lieferte Mädesüß so lange Salicylsäure, bis der Wirkstoff synthetisch hergestellt wurde. Die alte Bezeichnung Spiersäure ist noch im Markennamen Aspirin® erkennbar.
Seinen Namen verdankt das Mädesüß vermutlich seinem süßlich-herben Duft, den es nach dem Absensen von Wiesen verschrömt, also nach der Mahd. Doch auch zum Süßen von Met kam das Heilkraut zum Einsatz.
Wissenschaftlicher Name: Filipendula ulmaria L. MAXIM, Spiraea ulmaria L.
Charakteristik
Die Pflanze ist in ganz Nord- und Mitteleuropa beheimatet, außer im südlichen Mittelmeerraum. Importiert wurde Mädesüß nach Nordamerika. Da die Pflanze feuchte, nährstoffreiche, leicht saure Böden bevorzugt, ist sie an Flussläufen und Wassergräben sowie auf wenig gemähten Feucht- und Sumpfwiesen anzutreffen.
Das Mädesüß gehört zu den Rosengewächsen, ist ausdauernd und wird bis zu 2 Meter hoch. Alle Pflanzenteile lassen sich nutzen. Die Blüten erntet man im Sommer, die Wurzeln im Herbst und Frühling, das Kraut die ganze Saison. Medizinisch relevant sind besonders die getrockneten Blüten. Aber auch das getrocknete Kraut und die frischen, ober- und unterirdischen Teile finden Verwendung.
Anwendungsbereiche
Dosierung
Die Tagesdosis beträgt 2,5–3,5 g Blüten oder 4–5 g Kraut.
Tee: 2–3-mal täglich 1 Tasse Tee aus 1–2 g (1 TL) Blüten (und Kraut) auf 150 ml Wasser ansetzen, 10 min ziehen lassen, durch ein Sieb abseihen. Tee aus Wurzeln kalt ansetzent und 6–10 Stunden ruhen lassen, anschließend kurz aufkochen und nach 2 min Ziehen abseihen. Die Teezubereitungen ungesüßt und möglichst heiß trinken.
Wirkung und Nebenwirkungen
Mädesüß enthält Salicylate, die antimikrobiell, fiebersenkend und harntreibend wirken. Bei Überdosierung können Magen- und Darmbeschwerden auftreten. Asthmatiker und Personen mit einer Überempfindlichkeit gegen Salicylate (z. B. Aspirin®) sollten kein Mädesüß einnehmen. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt sich Mädesüß nicht.
Anwendung in Lebensmitteln
Alle Pflanzenteile eignen sich zum Aromatisieren von Süßspeisen und Getränken. Lässt man z.B. die Blüten über Nacht in ungeschlagener Sahne ziehen, bekommt diese ein honig-mandelartiges Aroma. In der gehobenen Küche serviert man Mädesüß-Sorbet, um Sodbrennen vorzubeugen. Zudem wird die Pflanze noch heute verwendet, um alten oder faden Wein schmackhaft zu machen.
Mönchspfeffer

Im Mittelalter verwendete man Mönchspfeffer, der im Volksmund Keuschbaum genannt wird, um sexuelle Begierden zu mindern. Als Heilmittel kam die Pflanze schon im Altertum zum Einsatz. Verletzungen, Entzündungen oder Milzschwellungen wurden mit Mönchspfeffer behandelt. Im 19. Jahrhundert außer Gebrauch geraten, sind die getrockneten Blätter und Früchte der Pflanze heute wieder ein beliebtes Mittel der Naturheilkunde. Aufgrund der hemmenden Wirkung auf das Hormon Prolaktin findet Mönchspfeffer in der Medizin Anwendung bei Menstruationsbeschwerden, prämenstruellem Syndrom und klimakterischen Beschwerden.
Wissenschaftlicher Name: Vitex agnus-castus L.
Charakteristik
Mönchspfeffer gehört zur Familie der Lippenblütler und erreicht eine Höhe von bis zu sechs Metern. Die acht bis zehn Zentimeter großen Blüten sind meist blau oder violett, seltener rosa gefärbt. Aus ihnen entsteht die kugelige, rötlichschwarze Frucht, die an Pfefferkörner erinnert. Die Blätter ähneln denen des Hanfs, weshalb es leicht zu Verwechslungen kommt. Verbreitet ist Mönchspfeffer vom gesamten Mittelmeerraum bis nach Westasien.
Anwendungsbereiche
Innere Anwendung: bei Menstruationsstörungen infolge Gelbkörperinsuffizienz, prämenstruellem Syndrom, klimakterischen Beschwerden und Mastodynie
Dosierung
Tagesdosis: 30-40 mg Droge in Form wässrig-alkoholischer Extrakte
Hinweise
Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.
Autor: Th. Brendler u. a., A. Schenk u. a., Katrin Stegherr